Zur Hauptnavigation springenZum Inhalt springen

Die Natur als Kulturbühne

„Weidellipsium“ wird Veranstaltungsstätte der Landesgartenschau im "Park überm Engelshaus"

Sie hat das Zeug zum Lieblingsort auf der in 2023 stattfindenden Landesgartenschau (LGS): die derzeit entstehende Ellipse aus Weiden im Park überm Engelshaus. Hier entwickelt sich in den nächsten zwei Jahren ein Ort zum Ausruhen, eine Stätte für Kultur mit kleinen aber feinen Konzerten, Theater- oder Comedy-Vorführungen und besinnlichen Lesungen.

Das „WeidEllipsium“ – so der Arbeitstitel – ist ein lebendes Bauwerk. Noch ragt es wie ein Gerippe in die Landschaft, doch schon bald beginnen die ersten Triebe der gepflanzten Weiden auszuschlagen. So entsteht in den kommenden Jahren ein grünes Bauwerk, das für die Besucher*innen der Gartenschau 2023 zur Anlaufstelle für Erholung und Kunst gleichermaßen werden soll. Und was noch wichtiger ist: im Nachgang entsteht hier ein nachhaltiger Ort für Gemeinwesen – für Feste und Versammlungen der Bürger*innen von Fulda.

Ideengeber und Initiator des einzigartigen und bemerkenswerten Bauwerkes in der Region ist der Projektleiter „Ausstellungen“ der LGS Fulda 2.023 gGmbH, Reinhard Goos. Der erfahrene Landschaftsarchitekt hat in seiner über 20-jährigen Laufbahn ähnliche Konzepte umgesetzt. „Den neuen Geländeteilen für die Gartenschau hier in Fulda mangelt es an vorhandenem Baumbestand. So ist die Idee entstanden, zusätzliche Schattenplätze für die Besucher zu entwickeln“, erläutert Goos.
Neben sogenannten kleineren Weidentipis, die wie natürliche Zelte auf dem Gelände verteilt werden, sollte es zusätzlich einen Ort geben, der sich dazu eignet, als Kleinkunstbühne zu fungieren. „Ein temporäres Zelt wäre die Alternative gewesen, doch wir sehen uns dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet. Daher haben wir uns entschieden, eine natürliche Kulturstätte entstehen zu lassen, die den Menschen in der Region auch nach der Gartenschau für unterschiedlichste Aktivitäten erhalten bleibt“, gibt der Fachmann einen Einblick in die Entscheidungsfindung. Im rund 150 Quadratmeter großen Innenareal ist neben einer kleinen Bühne genügend Platz für das Publikum – je nach Event bestuhlt oder unbestuhlt. Dank der offenen Strukturen gibt es zahlreiche natürlich gewachsene Zu- und Ausgangsmöglichkeiten.

Stabilität durch Begrünung

Während die Natur mit entsprechender Pflege durch Menschenhand das „WeidEllipsium“ von selbst begrünt, soll ein temporäres Segel in den Sommermonaten für Überdachung sorgen. Ein erster Test wird im kommenden Jahr stattfinden, da zunächst das Wachstum der Begrünung und die damit einhergehende Stabilität der gesamten Struktur gesichert sein müssen, so der Projektleiter und fügt an: „Das gesamte Konstrukt besteht aus über 1000 Trieben mit unterschiedlicher Länge, die alle aus der Region kommen und erst einwachsen müssen.“
Gebaut wird das Objekt von der Künstlergruppe „Sanfte Strukturen“ aus Herdwangen am Bodensee, die sich mittlerweile in der dritten Generation mit Aktionskunst beschäftigt. Anna Kalberer, deren Vater Marcel als „grüner Architekt“ Gründer des Familienbetriebs ist, und ihre Partnerin Peedy Evacic sind mit einem Team aus sechs Personen angereist, um das künstlerische Gebilde in nur drei Wochen im „Park überm Engelshaus“ entstehen zu lassen. Bis zur Gartenschau werden sie sich um den optimalen Grünbewuchs kümmern.

„Weiden brauchen viel Wasser und viel Licht, dann holt sich die Natur das von Menschen gemachte Bauwerk zurück“, erklärt Anna Kalberer und ergänzt: „Die Triebe wachsen nicht von den Enden heran, sondern treiben an den Ästen aus und werden mit entsprechender Pflege zu einem lebenden Kunstwerk, das wir ‚Landart‘ nennen.“
Das Team von „Sanfte Strukturen“ ist spezialisiert auf grüne Kunstobjekte, auch der Entwurf für das „WeidEllipsium“ stammt von den Künstlern vom Bodensee. Ihre Expertise für grüne Architektur ist so anerkannt, dass sie längst international arbeiten und unter anderem für Kronprinzessin Victoria von Schweden den „Victoria Pavillon“ in Malmö gestaltet haben.

„Es gibt nur wenige Spezialisten auf dem Gebiet des Weidenbaus. Für Anbieter aus der Region war die Größe des gewünschten Objektes ein Ausschlusskriterium, daher haben wir eine Ausschreibung  durchgeführt. Das Konzept von ‚Sanfte Strukturen‘ hat uns am meisten überzeugt“, beschreibt Projektleiter Reinhard Goos die Entwicklung im Vorfeld.
Für die geplanten kleineren Weidentipis für das Gartenschaugelände werde es eine gesonderte Ausschreibung geben und Goos hofft, dass sich dann auch Weidenbauer aus der Region finden, die sich daran beteiligen werden.

Landesgartenschau Fulda 2023 Weidellipsium Team